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Klickbetrug bei Google Ads: Ursachen, Mechanismen und Schutzmaßnahmen
Ein Deep-Dive für Werbetreibende im Search- und Display-Umfeld
1. Einleitung
Bezahlte Suchmaschinenwerbung (SEA) gehört zu den wichtigsten Vertriebskanälen im digitalen Marketing. Google Ads ist dabei das dominierende System und bietet Unternehmen jeder Größe
Zugang zu relevanten Zielgruppen. Durch das Auktionsmodell und die nutzerzentrierte Anzeigenlogik profitieren Werbetreibende von hoher Effizienz und messbarer Performance. Gleichzeitig hat sich der Kanal zu einem wettbewerbsintensiven Markt entwickelt, in dem Fehlanreize, Automatisierung und technische Manipulationen eine Rolle spielen. Eine besondere Erscheinungsform ist der sogenannte Klickbetrug (Click Fraud).

Klickbetrug bezeichnet die absichtliche Generierung von Klicks auf Anzeigen ohne echtes Interesse an der beworbenen Leistung – mit dem Ziel, die Kosten des Werbetreibenden zu erhöhen oder wirtschaftliche Vorteile Dritter zu erzeugen.
Studien zeigen, dass zwischen 14 % und 22 % aller PPC-Klicks ungültig sein können, was für Werbetreibende erhebliche Verluste beim Klickbudget bedeutet.
Obwohl Google automatisierte Systeme zur Erkennung und Filterung einsetzt und Daten aus 2024 zeigen, dass Google Ads einen geringeren Fraud-Anteil (~11 %) hat als andere Plattformen, ist auch hier das Thema relevant. Click Fraud stellt weiterhin ein relevantes Risiko dar, das Budgets, Datenqualität und Optimierungsprozesse beeinflusst. Der folgende Beitrag beleuchtet Ursachen, Mechanismen und Formen von Klickbetrug im Search- und Display-Netzwerk, quantifiziert Auswirkungen und beschreibt technische Präventionsstrategien aus der Praxis.
2. Was ist Klickbetrug?
Begriff und Abgrenzung
Der Begriff „Klickbetrug“ umfasst mehrere Szenarien, die sich im Detail unterscheiden, aber denselben Effekt erzeugen:
Kosten entstehen ohne echten Nutzen.
Wichtig ist die Abgrenzung zu zwei benachbarten Bereichen:
- Ungültiger Traffic (Invalid Traffic – IVT)
umfasst technisch fehlerhafte oder qualitativ minderwertige Klicks (z. B. durch Bots oder Scraper), ohne dass zwingend betrügerische Absicht vorliegt.
2. Unqualifizierter Traffic
meint reale Nutzer ohne Kaufinteresse, z. B. wenn eine falsche Zielgruppe angesprochen wird — kein Fraud, aber wirtschaftlich ähnlich schädlich.
Klickbetrug liegt somit immer dann vor, wenn Intention + Schaden vorliegen.
Ein gängiges Grundschema lautet:
Klick
Kosten beim Werbetreibenden
Vorteil oder Schaden durch Dritte
Dabei können Werbetreibende selbst, aber auch Webseitenbetreiber, Publisher, Bots, Click-Farms oder Wettbewerber beteiligt sein.
3. Wirtschaftliche Anreize
Wer profitiert von Klickbetrug?
Die Motivation hinter Click Fraud ist keineswegs homogen. Typischerweise lassen sich drei Gruppen unterscheiden:
3.1 Wettbewerber im Suchumfeld
Im Search-Kontext ist das Modell besonders klar: Jeder Klick kostet Geld, Budgets sind endlich, Anzeigenplätze sind knapp. Wettbewerber können durch gezielte Klicks:
Im Ergebnis kann sich das Kosten-zu-Conversion-Verhältnis verschlechtern und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Kanals sinken.
3.2 Publisher im Display-Netzwerk
Im Display-Umfeld existiert ein zusätzlicher Fehlanreiz: Publisher werden für Klicks bezahlt, nicht für Outcomes. Das kann dazu führen, dass Betreiber von Websites oder Apps versuchen, Klickvolumen künstlich zu erhöhen, z. B. durch:
In vielen Fällen kombiniert mit Programmatic Arbitrage – einem Modell, bei dem Traffic günstig gekauft und teuer weitervermarktet wird.
3.3 Automatisierte Botnetzwerke
Ein signifikanter Teil des Fraud-Volumens stammt nicht von Menschen, sondern von Maschinen. Botnetzwerke operieren in großem Maßstab und können Klickverhalten simulieren. Im Display-Segment sind Bots inzwischen der dominierende Fraud-Treiber.
In Summe entsteht ein Ökosystem aus Anreizen, Automatisierung und asynchronen Informationsständen, das Click Fraud begünstigt. Branchenreports gehen davon aus, dass rund 22 % des globalen digitalen Werbebudgets durch Fraud beeinträchtigt worden sind, mit steigender Tendenz.
4. Mechanismen und technische Methoden des Klickbetrugs
Klickbetrug ist nicht homogen, sondern umfasst verschiedene Modi operandi. Im Search- und Display-Umfeld dominieren unterschiedliche Mechaniken.
4.1 Search-basierter Klickbetrug
Im Search-Umfeld ist der Fraud meist intentional und manuell-initiiert, wenn auch oft durch Automatisierung unterstützt. Typische Methoden:
In Accounts von Kund*innen erleben wir vereinzelt Situationen, in denen pro Tag dutzende oder hunderte Klicks auf definierte Brand-Keywords stattfinden, ohne dass Landingpage-Interaktionen folgen.
4.2 Display-basierter Klickbetrug
Im Display-Umfeld ist die Bandbreite breiter und stärker technisch geprägt. Hier dominieren:
In Kombination führt das zu Click-Volumen, das für Werbetreibende wie reale Interaktion aussieht.
Ein verbreitetes Muster sind ad-heavy Publisher-Websites mit sehr hohem CTR-Niveau und gleichzeitig niedriger Engagement-Tiefe – ein Indikator, der in der Praxis beim Monitoring hilfreich ist.
5. Diagnostik
Woran erkennt man Klickbetrug?
Die Identifikation von Klickbetrug ist anspruchsvoll, weil Fraud häufig versucht, reale Nutzersignale zu imitieren. Dennoch lassen sich Indikationen erkennen. Typische Signalmuster sind:
5.1 Anomalien im Verhältnis Klicks → Conversions
Ein wesentliches Indiz ist ein abrupter Shift im Conversion-Pfad. Beispiele:
Solche Muster beobachten wir v. a. bei Brand-Kampagnen, da hier das Fraud-Schadenspotenzial am höchsten ist.
5.2 Geografische Cluster &
IP-Anomalien
Weitere Indikatoren sind:
5.3 Nutzerverhalten auf der Landingpage
Auswertung anhand von GA4/Server Logs/Tag Events:
Bei Display-Fraud sind zusätzlich fehlende Mausbewegungen ein Indikator (Bots klicken, ohne Interaktion zwischen Klick und Page-Load).
5.4 Publisher-Spezifische Auffälligkeiten im Display-Netzwerk
Hier geht es insbesondere um:
6. Auswirkungen von Klickbetrug
Klickbetrug erzeugt mehrere Ebenenschäden:
6.1 Direkte Budgetverluste
Der offensichtliche Schaden entsteht durch ausgegebene Werbekosten ohne Gegenwert. Studien schätzen, dass zwischen 5 % und 30 % des CPC-Budgets je nach Branche durch ungültigen Traffic beeinflusst werden können. In sehr kompetitiven Branchen (z. B. juristische Dienstleistungen, Finanzprodukte) kann der Anteil höher ausfallen.

6.2 Verzerrung der Optimierungslogik
Google Ads optimiert datengetrieben. Fraud beeinflusst u. a.:
Je verzerrter die Datenbasis, desto schlechter die Optimierung –
und desto höher der indirekte Schaden.
6.3 Verzerrte Performance-Indikatoren
Betroffen sind u. a.:
6.4 Opportunitätskosten
Durch Fraud können wettbewerbsstarke Keywords abgeschaltet werden, obwohl sie eigentlich profitabel wären – ein sekundärer, oft übersehener Schaden.
7. Googles Anti-Fraud-Mechanismen
Google erkennt und filtert einen Teil ungültiger Klicks automatisch. Dazu gehören:
Das System identifiziert u. a.:
Gleichzeitig existieren Limitierungen:
In Kundendaten sehen wir regelmäßig Fälle, in denen Google zwar „ungültige Klicks“ rückerstattet, aber nur einen kleinen Teil des tatsächlichen Fraud-Volumens.
8. Schutzmaßnahmen
Prävention & Monitoring in der Praxis
Effektiver Schutz besteht aus mehreren Ebenen:
8.1 Strukturelle Google-Ads-Maßnahmen
8.2 Analytische Maßnahmen
Auf Datenebene ist u. a. wichtig:
8.3 Einsatz externer Anti-Fraud-Tools
Im professionellen Umfeld werden spezialisierte Tools eingesetzt, z. B.:
Diese Tools übernehmen u. a.:
8.4 operative Best Practices aus Accounts
Aus unserer Arbeit mit Accounts sehen wir u. a. folgende Muster als wirksam:
9. Rechtliche Rahmenbedingungen
Klickbetrug bewegt sich teilweise im Bereich des Wettbewerbsrechts und Betrugsrechts. Für Werbetreibende ist relevant:
10. Ausblick
Wie verändert sich die Situation?

Die Fraud-Industrie professionalisiert sich zunehmend. Trends:
Parallel verbessert Google seine Detection-Systeme, ohne jedoch vollständige Transparenz oder Eliminierung zu erreichen.
11. Fazit
Klickbetrug ist kein Randphänomen, sondern ein systemisches Risiko im SEA-Ökosystem. Die Auswirkungen reichen von direkten Kosten über verzerrte Daten bis hin zu ineffizienten Optimierungsentscheidungen. Ein professioneller Umgang erfordert:



